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Pro-Kopf-Wohnflächen nehmen bundesweit zu

Die durchschnittlichen Wohnflächen pro Person haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht. Je nach Haushaltsgröße, Wohnform und Region gibt es jedoch große Unterschiede.

Vor allem die Alterung der Gesellschaft, eine Verringerung der Zahl der Personen je Haushalt und Einkommenszuwächse sorgen für einen Anstieg der durchschnittlichen Wohnflächen pro Person. Neben Unterbelegungen von Wohnungen – wenig Menschen auf viel Wohnraum – zeigen sich gerade auf angespannten Wohnungsmärkten auch Überbelegungen. Pro-Kopf-Wohnflächen können Hinweise auf die Wohnsituationen privater Haushalte geben.

Die Spanne der Pro-Kopf-Wohnflächen ist groß

Pro-Kopf-Wohnflächen sind ein aussagekräftiger Indikator, um die vielfältigen Lebenssituationen privater Haushalte zu erfassen. Nach Angaben des Mikrozensus 2022 lebten private Haushalte in Deutschland im Jahr 2022 durchschnittlich auf 55,4 Quadratmeter Wohnfläche pro Person. Je nach Siedlungsstrukturen, Haushaltsgrößen, Wohnformen sowie früheren wohnungspolitischen Zielen und Maßnahmen unterscheiden sich die Wohnflächen deutlich. So wohnten im Jahr 2022 selbst nutzende Eigentümerhaushalte im Mittel auf 65,1 Quadratmetern Wohnfläche pro Person, Hauptmieterhaushalte auf 48,5 Quadratmetern. Eine Differenzierung nach Haushaltsgröße erhöht die Wohnflächenspanne deutlich. So verfügten Einpersonenhaushalte in selbst genutztem Wohneigentum durchschnittlich über 104 Quadratmeter Wohnfläche, in Hauptmieterhaushalten mit fünf oder mehr Personen waren es hingegen im Mittel 19 Quadratmeter je Person.


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Die Karte der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnflächen verdeutlicht die regionalen Unterschiede, die sich aus den lokalen Schwerpunkten der Gebäude- und Wohnformen ergeben. Hohe Wohnflächen werden in ländlich geprägten Räumen mit einem großen Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern sowie selbst genutztem Wohneigentum erreicht. Die höchsten durchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnflächen erzielen dabei mit mehr als 70 Quadratmetern Landkreise in Rheinland-Pfalz und im Saarland, gefolgt von ländlich geprägten Kreisen in Bayern, Hessen und Niedersachsen. 

Die niedrigsten bewohnerbezogenen Wohnflächen von weniger als 47 Quadratmetern finden sich in einigen kreisfreien Städten und Landkreisen in Ostdeutschland. Knapp darüber liegen kreisfreie Großstädte in ganz Deutschland sowie weitere Landkreise in Ostdeutschland. Noch heute sind die Unterschiede der Wohnflächennutzungen zwischen der ehemaligen DDR und der früheren Bundesrepublik erkennbar, auch wenn die ostdeutschen Bundesländer seit der Deutschen Einheit aufgeholt haben.

Vielfältige Gründe für Wohnflächenzuwächse

Die Größe der durchschnittlichen Wohnflächen nimmt in Deutschland seit Jahrzehnten zu. Allein zwischen den Jahren 2011 und 2022 erhöhte sich die mittlere Pro-Kopf-Wohnfläche laut Zensus-Erhebungen um gut vier Quadratmeter. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Steigender Wohlstand hat über Jahrzehnte den Bau und die Nutzung größerer Wohnungen begünstigt. Vor allem aber wächst der Anteil kleiner Haushalte. Dazu tragen die Alterung der Gesellschaft und die zunehmende Zahl von Singlehaushalten spürbar bei. Kleine Haushalte verfügen zwangsläufig pro Person über mehr Wohnfläche als große Haushalte. 

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist auch zukünftig davon auszugehen, dass zum einen der Anteil kleiner Haushalte weiter zunimmt, zum anderen der Remanenzeffekt diese Entwicklung weiter verstärkt. Der Remanenzeffekt beschreibt das Phänomen, dass Menschen in ihren Wohnungen verbleiben, auch wenn sich ihre familiäre Situation durch den Auszug der Kinder oder den Tod der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners verändert. Das Verbleiben in der Wohnung oder im Haus kann vielfältige subjektive und emotionale Gründe haben. Häufig spielen jedoch auch objektive Faktoren eine Rolle, etwa ältere günstige Bestandsmietverträge, fehlende passende Alternativen auf dem Wohnungsmarkt sowie hohe Transaktions- und Umzugskosten bei einem Wohnungswechsel. 

Auf angespannten Wohnungsmärkten liegen die Angebotsmieten bei Neuvermietung häufig deutlich über den Mieten älterer Mietverträge, sodass ein Umzug finanziell unattraktiv wird. Auf der anderen Seite verbleiben etwa Paare nach einem Familienzuwachs häufiger in ihrer eigentlich zu kleinen Wohnung, weil sie keine passende größere Wohnung finden. Sonderauswertungen des Mikrozensus zeigen außerdem eine Zunahme von Untermietverhältnissen, meistens von Einzelpersonen, die bereits über viele Jahre bestehen. Auch sie weisen auf ein knappes, teures und oft nicht zur Lebenssituation passendes Wohnungsangebot in den boomenden Städten hin.

Pro-Kopf-Wohnflächen steigen weiter

Die BBSR-Raumordnungsprognosen zeigen, dass sich der Trend zu kleinen Haushalten durch die Alterung der Gesellschaft weiter fortsetzen wird. Damit ist künftig ein weiterer Anstieg der Pro-Kopf-Wohnflächen zu erwarten. Das gilt für Hauptmieterhaushalte ebenso wie für Haushalte von selbst nutzenden Eigentümerinnen und Eigentümern. Hohe Immobilienpreise und Neuvermietungsmieten können diesen Anstieg dämpfen, da sie die Möglichkeiten vieler Haushalte einschränken, größere Wohnungen oder Häuser zu mieten oder zu kaufen. Gleichzeitig stellen sie aber auch Umzugshemmnisse dar. Auf angespannten Wohnungsmärkten sorgt außerdem die Wohnungsknappheit dafür, dass Menschen in den Wohnungen entweder enger zusammenrücken oder in andere Kommunen oder ins Umland ziehen.


Allgemeine Informationen zur Karte: Wohnfläche pro Person

Datenbasis:

BBSR-Wohnungsmarktbeobachtung; Statistisches Bundesamt: Sonderauswertung Mikrozensus 2022

Geometrische Grundlage:

VG250 (Kreise), 31.12.2024 © GeoBasis-DE/BKG

Bearbeitung:

F. Ostermann, A. Schürt (BBSR)


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